Offenheit und Transparenz für eine Zukunft mit vielen Fragen

festakt-nationalfeiertagAuszüge aus der Festansprache zum Österreichischen Nationalfeiertag

Der Nationalfeiertag ist der höchste Feiertag in einem Staat. Für Österreich wurde der 26. Oktober als Nationalfeiertag festgelegt, um daran zu erinnern, dass an diesem Tag im Jahre 1955 das Gesetz der immerwährenden Neutralität verabschiedet wurde. Heute sind uns die Ängste und Befürchtungen der „Kriegsgeneration“ fast schon fremd.

Aber auch heute gibt es berechtigte Existenzängste, die die Jugend und die ältere Generation gleichermaßen beschäftigen. Gerade die jüngsten Entwicklungen in der Welt mit den immensen Flüchtlingswellen aus Syrien und anderen kriegsführenden Gebieten haben viele sicher scheinende Tatsachen ins Wanken gebracht. Die Sorge um Arbeitsplätze, Wohnraum oder die eigene Kultur sind stärker in den Vordergrund getreten, als so mancher es für möglich gehalten hätte.

Österreich ist heute Mitglied der Europäischen Union und gestaltet sein Wirtschafts- und Gesellschaftsleben ganz nach den westlichen Wertvorstellungen. Die EU – das zeigt ihre historische Entwicklung ganz deutlich – ist ein europäisches Friedensprojekt, das nach dem Zweiten Weltkrieg ein friedliches Miteinander in Europa sicherstellen sollte. Auch für unser Land und unsere Stadt ist es wichtig, wie Fragen nach wirtschaftlicher Stabilität oder Unterbringung von Flüchtlingen in Europa entschieden werden.

Wir gehören dazu und müssen in unserem Rahmen und nach unseren Möglichkeiten europäische Vorgaben umsetzen und Lösungen finden, die für alle tragbar sind. Wenn wir heute Fremden helfen, soll niemand in unserer Stadt das Gefühl haben, dadurch auf der Strecke zu bleiben oder mit seinen Anliegen allein gelassen zu werden. Ein respektvolles und verantwortungsbewusstes Miteinander hilft beiden Seiten. Europa ist eine Solidargemeinschaft. Solidarität zu leben, heißt auch, mit anderen zu teilen.

Vergessen wir nicht. Nach dem Krieg, als Österreich in Schutt und Asche lag, ist auch unserem Land geholfen worden. Der Marshall-Plan der Amerikaner (finanzielle Unterstützung zum Wiederaufbau) hat dazu beigetragen, dass unsere Elterngeneration neu starten konnte, wenn auch der Wiederaufbau immense Anstrengungen erforderte. Und diese Generation hat den Wideraufbau geschafft. Österreich steht heute gut und wohlhabend da. Nur von alleine wird es das nicht bleiben. Wir müssen hart weiterarbeiten und uns den Forderungen der Zukunft stellen – mit dem gleichen Mut und der Opferbereitschaft, die die Generation davor an den Tag gelegt hatte.

Ich möchte mit den Gedanken nach Information, Transparenz und Zukunftsglauben abschließen. Wir müssen die Sorgen der Bevölkerung, die sich durch die Entwicklungen der letzten Monate und der letzten Tage ergeben haben, ernst nehmen. Wir müssen miteinander reden und ausführlich informieren. Keinesfalls dürfen wir den Glauben an eine gute Zukunft für uns und unsere Kinder verlieren.

Österreich hat sich durch den Mut und den Fleiß vieler Männer und Frauen zu einem Vorzeigeland entwickelt. Wir werden auch hier in Leoben unsere Kräfte weiter bündeln, damit der Wohlstand erhalten bleibt und damit sich Leoben als wichtiges Zentrum in der Obersteiermark weiter entfalten kann.